"Lager" Übersicht / Arbeitserziehungslager Aistaig

Arbeitserziehungslager Aistaig – Ein Ort der rentable Verwertung der Arbeitskräfte der Häftlinge im Dritten Reich

Das Arbeitserziehungslager (AEL) Oberndorf-Aistaig im Gewann Lautenbach ließ im September/Oktober 1941 die Geheimenstaatpolizei (Gestapo) von Häftlingen des Lager Kniebis-Ruhestein erbauen, das Anfang 1942 ins AEL Aistaig verlegt wurde. Es unterstand der Staatspolizeileitstelle Stuttgart, mit seiner Außenstelle in Oberndorf. Die Häftlinge kamen anfänglich aus Baden und Württemberg später war das AEL nur noch für Württemberg zu ständig .
Die durchschnittliche Belegung in Aistaig war 160-180 Häftlinge. Mit Fortdauer des Krieges stieg die Zahl der Häftlinge auf bis zu 400, die durchschnittlich 42 Tage, also 8 Wochen, manche nur 28 und andere 56 Tage interniert waren. Am 1.1.1943 waren 120 Gefangene und zum 1.8.1943 schon 221 vom Oberndorfer Einwohnermeldeamt gezählt worden. Täglich auch samstags und sonntags mußten die „Arbeitssaboteure“ 10 bis 12 Stunden arbeiten und standen unter ständiger Bewachung.

Die Häftlinge waren völlig entrechtet, die schlechte Verpflegung, katastrophale hygienische Verhältnisse, unzureichende Kleidung, kaum ärztliche Versorgung, ständige Schläge des Wachpersonals, taten ihr übriges. Im Laufe der 3 ¼ Jahre durchliefen über 4400 Häftlinge das Lager, wo von laut der Sterbeliste des Standesamtes 79 umkamen mit oft stereotypen Todesursachen wie Herzschwäche, Kreislaufstörungen etc. 15 Leichen wurden erst nach der Befreiung gefunden. Es waren vorwiegend ausländische Zwangsarbeiter, aber auch einige Deutsche darunter. Sie arbeiteten bei den Mauser-Werken, der Stadtverwaltung Oberndorf, Firma Mafell in Aistaig und in Sulz in der Buntwerberei (vermutlich ab 1. 11.44 möglicherweise auch in der Rüstungsproduktion bei den „Trippel-Werk“ im Stollen unter dem „Gähnenden Stein“).
 
  Die Einlieferung erfolgte auf Antrag der Unternehmen und durch die Gestapo ohne Gerichtsverfahren nach einem Verhör. „Arbeitsvertragsbrüchige werden vorläufig festgenommen“ war die Sprachregelung und so führten oft geringfügige Verstöße zur Verbringung ins AEL.
Neben den Konzentrationslagern für „Politische“ von der SS geführt, standen die Arbeitserziehungslager für „Asoziale, Arbeitsverweigerer und Saboteure“ der Geheimen Staatspolizei, dem verbrecherischen Lagersystem und der Vernichtung durch Arbeit, in nichts nach.

Die „Zivilarbeiterlager“ – Russenlager in Altoberndorf und das Polenlager „Wiederhold“ auf dem Lindenhof auf dem heutigen Gelände der Firma Heckler und Koch - für „ Fremdarbeiter“ aus Osteuropa unterscheiden sich wesentlich darin, daß sie nicht dem Straf- und Repressionssytem der SS – zuständig für die Konzentrationslager - und der Gestapo unterstanden. Als „minderwertige Rasse“ waren Polen und Russen unter Bewachung hinter Stacheldraht.
  weitere Texte & Berichte:
  - Arbeitserziehungslager Aistaig
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